Sicherheit und Umweltschutz in der Binnenschifffahrt

Ergänzung 2018: Nostalgie vom Anfang des Jahrtausend oder alles unverändert?

Der folgende Artikel von ca. 2005 ist zwar alt - aber nicht insgesamt veraltet! Denn vieles ist heute aktueller denn je ...


Umweltschutz durch Binnenschifffahrt

Die Bekanntheit des Transportmittels Binnenschiff ist in der Öffentlichkeit zu unrecht viel geringer als die von Schiene, Strasse und Luft. Keiner transportiert dieselbe Frachtmenge mit so geringem Energieauffwand wie das Binnenschiff.

Manche Schiffer versuchen, die Lobby zu verbessern. Auf mehr und mehr Binnenschiffen ist der Satz zu lesen: "Hier vaart ein file van 75 vrachtwagen". Wer es auf holländisch nicht versteht: Damit soll allen Menschen mitgeteilt werden, dass die Transportkapazität von jedem einzelnen Binnenschiff einen Stau von vielen LKWs ersetzt - bei den modernen Rheinschiffen von mehreren 100 Frachtwagen bzw. mehreren Zügen. Und das mit dem geringsten Schadstoffausstoss pro Tonne pro transportiertem Kilometer sowie den kleinsten Unfallstatistiken. Zwei von vielen Gründen, die dafür sprechen in der Logistik dem Wasser höhere Beachtung zu schenken und die verschiedenen Transportmittel besser miteinander zu koordinieren. Mehr dazu lesen Sie demnächst hier.


Tankschifffahrt in der Krise

Die Brennstoffpreise klettern unaufhaltsam in nie dagewesene Höhen und die Schiffsversicherungen haben, begründet durch die gestiegene Zahl teurer Neubauschiffe sowie möglichen Terrorrismus, ihre Beiträge in den letzten Jahren teils bis zu vervierfacht. Die Frachtraten, also die Einkünfte der Schiffseigner, entsprechen in keiner Weise den gestiegen Kosten.

Eine Welle von Neubauten bringt fast jede Woche weiteren Frachtraum auf die Flüsse - alles spricht von Überkapazität und die Verlader profitieren davon, indem Sie unhaltbare Preise diktieren können. Ob diese Überkapazität so sehr besteht, sei mal dahingestellt - denn es liegen doch wenig Schiffe still, es wird also transportiert. Aber, es gibt zur Zeit wohl kaum ein Tankbinnenschiff im Mineralölbereich, dass kostendeckend fährt - von Gewinn ganz zu schweigen. Die ersten kleinen Betriebe mussten bereits den Konkurs anmelden, andere kämpfen mit allen Mitteln um das Überleben.

Im Interesse einer sicheren und dauerhaften Tankschifffahrt ist es an der Zeit, Namen und Verantwortlichkeiten zu nennen. Es ist ein scheinbar freier Markt - bei dem wenige Verlader die Preise für ein grosses Angebot von Transportmitteln bestimmen können. Wer nicht unter Kostpreis fährt, fährt momentan gar nicht - der Schiffer hat also die "freie" Wahl, etwas mehr oder etwas weniger Minus zu machen. Während die Verlader, also die Ölkonzerne, wie z.B. Shell, Esso, BP, Texaco etc. ihre Gewinne weiter steigern.

Was ist Sicherheit?

"Safety first" ist jedem Schiffer oberste Regel. Doch wahre Sicherheit ist viel weniger eine Frage der Technik, als oft angenommen wird: Es setzt an erster Stelle einen gesunden Betrieb voraus, der sich ausreichend gutes Personal, vollständige Ausrüstung sowie die nötige Wartung und Reparaturen leisten kann. Die Stärke eines Betriebs ist sein Personalvermögen. Auch Rümpfe mit doppelten Hüllen können brechen, selbst modernste Schiffe sind nicht sicher, wenn der tägliche Unterhalt und qualifiziertes Personal nicht mehr finanziert werden kann. Das älteste Schiff ist sicherer als der tollste Neubau, wenn es besser gepflegt ist und verantwortlicher gearbeitet wird. Niemand hat mehr Interesse an einem sicheren Schiff als der Eigner selbst - die Mittel dafür muss das Schiff einfahren. Wenn die Verlader nicht bereit sind, einen sicheren Transport finanziell zu ermöglichen, dann sind all deren Hochglanzwerbung, die vielzitierten Investitionen in Umweltschutz und Sicherheit sowie das Vorziehen von Doppelhüllenbinnenschiffen nur eine vorgetäuschte Fassade.

Der Endverbraucher an der Tankstelle bekommt ständig neue Preiserhöhungen aufgedrückt - von mehreren Cent, was mit verschiedensten Ereignissen begründet wird. Um einen angemessenen Transport zu garantieren, wäre sehr, sehr viel weniger nötig. (Ein Schiffer, der einen ganzen Cent per transportiertem Liter bekäme, würde sich sehr schnell mit mehreren eigenen Häusern zur Ruhe setzen. :-)

Das Thema ist nicht nur für deutsche Tankschiffe aktuell. In Belgien wurde von Schifffahrtsorganisationen versucht, ein dort für Frachtwagen bestehendes Gesetz, welches besagt dass nicht unter Kostpreis transportiert werden darf, auch auf Binnenschiffe anzuwenden. In den Niederlanden ist unter Schiffern und Schifffahrtsorganisationen eine breite Diskussion im Gange und jede weitere Information aus der Branche kann hilfreich sein, die Verlader zur Verantwortung zu ziehen. Anwälte stehen in den Schuhen, um im Falle von Kalamitäten obige Zusammenhänge mit einzubeziehen und der Öffentlichkeit die Verantwortlichkeiten bewusst zu machen.

Lassen Sie in den Internetforen (siehe Links im Menü) zum Thema Ihre Meinung hören und -wenn Sie aus der Branche sind- nennen Sie Zahlen aus der Tankschifffahrt.


Sicherheitsvorschriften VON Tankschiffern

Tankschiffer in der Binnenschifffahrt investieren Jahr für Jahr horrende Summen, um Ihre Schiffe neuesten Sicherheitstechniken und geänderten Gesetzen aktuell anzupassen. Viele neue Sicherheitseinrichtungen hatten die Schiffe schon Jahre, bevor dieselben auch von den Lade- und Löschstellen nachgerüstet wurden bzw. werden. Stattdessen werden Tankschiffer beim Laden und Löschen oft mit verschiedensten mehr oder weniger sinnvollen Betriebs- und Hafenverordnungen konfrontiert, während manche Landanlage hinter dem Stand der Technik oder Wartung hinterherhinkt.

Darum hatte ein Tankschiffer 2005 einfach mal seine EIGENEN Sicherheitsvorschriften, als Anforderungen an die Landanlagen, aufgestellt. Diese wurden von vielen Kollegen und Befrachtern begrüsst, von Schifffahrtsmedien gelobt und werden inzwischen auch von der ZKR (Zentralkommission f.d. Rheinschifffahrt) als Arbeitsgrundlage zum Thema verwendet.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Sicherheitsvorschriften eigentlich nur ein paar Auszüge aus den vielen bestehenden Gesetzen und Regeln sind, zusammengestellt um auf Schwachstellen von manchen Landanlagen hinzuweisen. Da der Kapitän traditionell, im Gesetz und vor seiner Versicherung allein verantwortlich ist, kann er im Schadenfall möglicherweise zur Verantwortung gezogen werden, auch wenn der Fehler bei der Landanlage lag - dann hätte er eben das Laden oder Löschen weigern müssen... Deswegen wäre es gut, wenn sich möglichst viele Schiffer dieser Initiative anschliessen - im eigenen Interesse.

Damit jeder Tankschiffer sich diese Regeln herunterladen und für das eigene Schiff anpassen kann, sind sie hier als Word - Datei verfügbar:
Deutsche Fassung: www.binnenschiffe.de/inhalte/safetyd.doc
Niederländische Fassung:
www.binnenschiffe.de/inhalte/safetynl.doc


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